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Auf der Wii gab es bisher nur sehr wenige Ego-Shooter und Qualität war meistens Mangelware. Die Skala reicht dabei vom etwas überdurchschnittlichen Red Steel bis hin zum absolut katastrophalen FarCry Vengeance. Irgendwo dazwischen schwebt dann noch Call Of Duty 3, welches man aufgrund des Kriegsszenarios mit EAs Medal of Honor Vanguard noch am besten vergleichen kann. Die Ego-Shooter Reihe, welche seit ihrer Einführung auf der PS1 stetig fortgesetzt wird, geriet in letzter Zeit ein wenig in die Kritik, da die Qualität immer weiter abnahm. Wie sich der Titel, welcher neben einer PS2 Version auch für die Wii erschienen ist, auf Nintendos NextGen Konsole schlägt, erfahrt ihr nun in unserem Test.
Willkommen im Dreck
Der Bildschirm ist schwarz. Das einzige Geräusch was ihr vernehmen könnt, ist das laute Rauschen mehrerer Flogzeugmotoren. Plötzlich wird euch bewusst, wo ihr seid. Im Nachthimmel schwebt ihr über feindlichem Gebiet, nur darauf wartend, mit einem Fallschirmsprung die freie Welt zurück zu erobern. Es ist soweit. Ihr steht auf und seid bereit für euren großen Sprung. Doch was ist das? Flakfeuer. Es ist ganz nahe. Zu nahe. Mit einem Mal reißt der ganze hintere Teil des Flugzeugs ab und ihr werdet samt Fallschirm aus dem Flugzeug gesogen. Die erste Hürde wäre überstanden. Doch was nun? Bis zur Landung dauert es sicher noch eine Minute. Die müsst ihr überstehen. Unter euch die italienischen Faschisten, die gar nichts lieber täten, als euch mit ihren unkoordinierten Schüssen den Garaus zu machen. Über euch, eure Kameraden, die hoffentlich alle unversehrt am Boden ankommen werden, damit ihr Seite an Seite aus allen Rohren feuern könnt. Nur noch eine halbe Minute. So langsam nehmen die winzigen Schatten am Boden Gestalt an. Wo sollt ihr landen? Viel Zeit bleibt euch nicht. Wo wäre der strategisch beste Punkt, wo blickt ihr dem Tod nicht direkt ins Auge, wo seid ihr in Deckung? Zack! Und schon ist es geschafft. Hinter einer Kiste habt ihr einen sicheren Platz gefunden. Obwohl es tiefste Nacht ist, erhellt sich der Himmel durch das Flakfeuer und den Gewehrschüssen wie am Tage. Nun aber: Gewehr in die Hand und rein ins Gefecht.
Wie man merkt, ist der Einstieg in das Spiel sehr gelungen und genial inszeniert. Während des Fluges und zu Beginn des Kampfes, startet dabei das Tutorial, welches euch in die einfache und intuitive Steuerung von Medal of Honor Vanguard einführt und bildhaft zeigt, wie man bestimmte Aktionen ausführt.
Hinter feindlichen Linien
Im Spiel übernehmt ihr die Rolle von Korporal Frank Keegan, der sich der 82. Luftlandedivision angeschlossen hat. Er und seine Kameraden haben die Aufgabe, als Erste hinter den feindlichen Linien mittels Fallschirm zu landen und zu versuchen, die Lage für die nachrückenden Einheiten zu klären, um unter anderem den D-Day zu ermöglichen.
In insgesamt vier Operationen, die nochmals in verschiedene Missionen aufgeteilt sind, müsst ihr also versuchen den italienischen und deutschen Soldaten das Leben so schwer wie möglich zu machen. Dabei variieren die KI-Level sogar je nach Nationalität. Soll heißen, dass deutsche Soldaten beispielsweise eher in Deckung gehen oder besseren Schutz suchen, als die italienischen. Der Umfang aller Operationen ist dabei nicht wirklich groß und so hat man die Kampagne schon recht schnell durchgespielt.
Nüchternheit kehrt ein
Nach dem Einstieg kommt es allerdings schnell ans Tageslicht. Das anfängliche Highlight verpufft im Mittemaß des weiteren Spielverlaufs. Während ihr strikt linear dem Level folgt, läuft es immer nach dem gleichem System ab: Man rückt Stellung um Stellung vor. Dynamische oder strategische bzw. taktische Möglichkeiten sucht man bei Medal Of Honor Vanguard vergebens. Die gegnerischen Truppen ziehen sich zwar ab und zu zurück, jedoch bringt das auch nicht die gewünschte Abwechslung.
Ihr seid bei den meisten Missionen in einer Gruppe mit mehreren Kameraden unterwegs. Allerdings scheint EA die Level so dicht begrenzt zu haben, dass es manchmal einfach keinen Platz für euch gibt. Ihr könnt dann weder Deckung finden, noch den Gegner richtig sehen. Somit bleibt die einzige Alternative, euch hinzuwerfen und in Richtung Gegner zu robben, um eine möglichst gute Schussposition zu erhaschen.
Action bis der Arzt kommt?
Eines kann man dem Spiel nicht nachsagen und zwar auf die gewohnte Action zu verzichten. Die ist nämlich durchaus vorhanden. Auch wenn sie nicht pausenlos anhält, so spielt sie doch eine wesentliche Rolle im Spiel. In einer Mission müsst ihr beispielsweise einen verirrten Fallschirmspringer aus einer Kirche befreien. Habt ihr euch den Weg frei gekämpft, geht es ab ans MG. Zum Glück, denn die deutschen Feinde haben gerade Verstärkung gerufen, die ihr dann ganz locker via Dauerefeuer niedermetzeln könnt. Andere Missionen sind weniger actionreich, aber bieten duch ein gewisses Spaßpotential. In einer weitereb Mission müsst ihr beispielsweise Teile einer Panzerfaust suchen und diese zusammenstecken. Habt ihr dies getan, wartet auch schon ein Panzer auf euch.
Die Levelgestaltung ist im Großen und Ganzen recht gut gelungen, und die Gefechte finden, wie immer in der Medal of Honor Reihe, auf Originalschauplätzen des Zweiten Weltkrieges wie der sizilianischen Küste oder in Deutschland statt. Die Entwickler hätten jedoch vielleicht etwas mehr Wert auf die Gegnerverteilung legen sollen. Entweder sind es viel zu große Gegnerhorden oder zu wenig einzelne Gegner, wie Scharfschützen, die leicht auszumachen und zu töten sind.
Schließlich geht es am Ende jeder Mission an die altbekannte Medaillenvergabe. Hat man die feindlichen Soldaten beispielweise mit vielen Kopfschüssen erledigt, so kann man auf das Scharfschützenabzeichen hoffen.
Gähnende Grafik und fabelhafter Sound
Grafisch gesehen ist das Spiel ziemlich langweilig. Verwaschene Texturen und pixelige Grafiken, wie beispielsweise die Grashalme, die aus einzelnen großen Pixeln bestehen, verderben den Langzeitspaß und die mühselig aufgebaute Kriegsatmosphäre. Die Grafik-Engine ist darüberhinaus ein wenig überfordert, einen „vernünftigen“ Kriegsschauplatz mit schießenden Soldaten, explodierenden Granaten und authentischer Kulisse flüssig darzustellen. Glück im Unglück also, dass die Schauplätze eingeengt wurden, sodass meist ein ruckelfreies Spielen möglich ist.
Die serientypischen Musikstücke hingegen beeindrucken mit phänomenalem Sound. Sie passen wunderbar in die Kriegsatmosphäre und bleiben noch nach dem Spielen im Kopf. Auch der Ingame Sound, wie beispielsweise das Plätschern des Wassers bei Regen ist sehr realistisch dargestellt. Somit kann der Titel soundtechnisch voll überzeugen.
Bleibt noch der nicht vorhandene Online Modus zu erwähnen. Warum verzichtete EA auf einen solchen? Um Spiele im Multiplayermodus zu bestreiten, muss man wohl oder übel auf den Splitscreen zurückgreifen, indem man mit bis zu 4 Spielern in den Kampf ziehen kann, wobei gerade mal auf mageren sieben verschiedenen Maps in den abgedroschenen Standardmodi Deathmatch, Team-Deathmatch, Capture the Flag und King of the Hill gespielt werden kann.
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