Sechs Jahre mussten Fans von Final Fantasy Crystal Chronicles, das 2004 für den Gamecube erschienen ist, auf einen Nachfolger warten. Mit Final Fantasy Crystal Chronicles: The Crystal Bearers steht nun endlich die langersehnte Fortsetzung des Final Fantasy-Spin Offs in den Läden, die sich sehr actionreich spielt und die nur wenig mit einem RPG der erfolgreichen Serie zu tun hat. Ein Final Fantasy ohne Rollenspielelemente, kann das funktionieren? – Wir haben es getestet.
Action statt Rollenspiel
1000 Jahre sind seit dem ersten Teil vergangen, die Wichtigkeit der namensgebenden Kristalle ist jedoch trotz dieser langen Zeit ungebrochen. Die funkelnden Kristalle dienen wie heutzutage das Öl als Kraftstoff. Aber auch bestimmte Menschen können die Macht der Kristalle nutzen. Einer diese Menschen ist der Held Layle.
Die Geschichte von Final Fantasy Crystal Chronicles: The Crystal Bearers(FFCC) handelt von einem besonderen Kristall, auf den es ein Wesen vom Volke der Yuke, das eigentlich als ausgestorben gilt, abgesehen hat. Layles Neugierde ist nach einer Begegnung mit einem Yuke geweckt und euer Abenteuer kann beginnen.
Hakelige Telekinese
FFCC spielt in einer frei begehbaren Welt, wo Layle ganz klassisch Aufträge erfüllen muss. Die Missionen laufen meist in Form von kleinen Minispielen ab, von denen es viele verschiedene gibt. So müsst ihr zum Beispiel bei der Traubenernte helfen, einen Transport beschützen, ein Flugschiff sicher durch einen steinigen Canyon steuern, tanzen oder bestimmte Feinde ausschalten. Bei manchen Aufgaben kann euch ein Mitspieler vor dem Fernseher unterstützen, einen „richtigen“ Zweispieler-Modus gibt es aber nicht.
Im Kampf kommen dem sympathischen Helden seine Kristallfähigkeiten, beziehungsweise Telekinese-Fähigkeiten, zu gute. Per Bewegung mit der Wiimote wählt ihr einen Gegenstand aus und schleudert diesen euren Feinden entgegen, oder ihr greift euch einfach einen Unhold und werft ihn in eine bestimmte Richtung. Die Kämpfe mit Hilfe der Telekinese sowie die einfachen Sprungeinlagen machen anfangs durchaus Spaß, jedoch ist die Steuerung nicht immer optimal. Sehr oft verliert ihr während eines Kampfes die Übersicht und müsst die Kamera nachjustieren. Das kann in brenzligen Situationen sehr nerven und für Frust sorgen. Zum Glück ist es möglich, den Kämpfen aus den Weg zu gehen.
Erfahrungspunkte wie in anderen Rollenspielen bekommt ihr durch die Kämpfe ohnehin nicht. Überhaupt ist der Rollenspielanteil sehr gering. Lediglich durch bestimmte Gegenstände könnt ihr Layels Fähigkeiten ein wenig verbessern. Das wird Rollenspiel-Enthusiasten mit Sicherheit sauer aufstoßen, aber wie schon erwähnt handelt es sich bei FFCC ja nicht um ein Rollenspiel.
Wo muss ich hin?
Neben dem etwas missglücktem Kampfsystem weißt FFCC leider noch einige Schwächen auf, zum Beispiel die ungenaue Karte. Um euch in den weiten Arealen zurechtzufinden, bleibt euch nichts anderes übrig, als euch an markanten Punkten zu orientieren. Wer über keinen guten Orientierungssinn verfügt, wird sich sehr oft verlaufen. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt betrifft den Schwierigkeitsgrad, der sehr niedrig ist. Ok, dieser Punkt ist Geschmackssache, jedoch werden sich selbst Anfänger oftmals unterfordert fühlen.
Der niedrige Schwierigkeitsgrad wurde von Square Enix wohl bewusst so gewählt, um „Newbies“ behutsam an ein Final Fantasy-Abenteuer heranzuführen. Das Abenteuer hat uns mitsamt der nett erzählten Story insgesamt sehr gut gefallen. Zwar wird sie nicht so episch erzählt, wie man es von einem Final Fantasy-Spiel gewohnt ist, witzige und liebevolle Begleiter sorgen jedoch für eine dichte Stimmung. Einen Großteil zur gelungenen Atmosphäre trägt der sehr gut Soundtrack mit seinen poppigen Melodien bei. Wo wir schon bei der Präsentation sind: die Grafik ist ganz nett anzusehen. FFCC hat zwar mit einigen verwaschenen Texturen und Kantenflimmern zu kämpfen, überzeugen konnte uns der Titel aber bei den Charakter-Animationen, die besonders gut bei Zwischensequenzen und den liebevoll gestalteten Gebäuden und Landschaften zur Geltung kommen.