Es gibt sie zu Filmen, Songs und Spielen – die Remakes. Oft wird ein bekannter Titel nur minimal verändert und lediglich in zeitgemäßer Form neu eingespielt oder verfilmt. Mit der Neuauflage von Silent Hill ist man ähnlich verfahren, denn nicht nur die Hintergrundgeschichte des legendären ersten Teils der Serie wurde beibehalten, sondern auch das eigentliche Gameplay. Diese „Nicht-Änderungen“ mögen sich zunächst wenig spektakulär anhören, mit der Rückbesinnung auf alte Werte und Stärken ist den Entwicklern mit Silent Hill: Shattered Memories aber ein ganz großer Wurf gelungen. Warum wir den Entwicklern auf Knien für diesen würdigen Teil der Reihe danken, erfahrt ihr hier:
Verschneite Vorhölle
Harry Mason erlebt den größten Albtraum eines Vaters: Nach einem Autounfall ist seine Tochter Cheryl spurlos verschwunden. Der Schriftsteller macht sich also auf, diese zu suchen. Die Spur führt ihn in das verschneite Städtchen Silent Hill, wo es nicht mit rechten Dingen zugeht. Serienveteranen wird dieses Szenario natürlich bekannt vorkommen, denn die Story orientiert sich am ersten Teil der Silent Hill-Serie. Im Zentrum steht Harry, der verzweifelt Hinweisen nach Cheryls Verschwinden nachgeht und im Laufe der sehr kurzen Story, circa 6-8 Stunden, von einer unheimlichen Begegnung zur nächsten eilt.
Silent Hill: Shattered Memories ist jedoch nicht völlig mit dem 1999 erschienenen Vorbild identisch, denn die Entwickler haben ein paar neue Features eingebaut. Die größte Neuerung sind die Therapiestunden beim Psychiater.
In Behandlung
Noch vor dem eigentlichen Horrortrip und immer mal wieder während des Abenteuers werdet ihr mit einem etwas unheimlichen Psychiater konfrontiert, der euch tiefenpsychologische Fragen stellt. Er fragt zum Beispiel nach dem Verhältnis zu euren Eltern oder eurem Partner, ob ihr schon mal jemanden betrogen habt. Neben diesen Fragen, die ihr entweder durch Ankreuzen eines Fragebogens oder durch Kopfschütteln mithilfe der Wiimote beantwortet, dürft ihr auch Bilder ausmalen oder Tintenklexe deuten.
Diese Sitzungen sind nicht nur bloßes Beiwerk, sondern die Wahl der Antworten wirkt sich indirekt auf das Spielgeschehen und direkt auf die Erscheinung der Leute aus, die ihr in Silent Hill trefft. Des Weiteren sorgen die Besuche beim Therapeuten dafür, dass eine sehr unheimliche Stimmung aufgebaut wird. Ist Harry vielleicht psychisch krank und bildet sich die schrecklichen Dinge nur ein oder steckt mehr dahinter?
Dein helfendes Handy
Um dieses Rätsel zu lösen, muss Harry in den sehr linearen Levels klassische Adventure-Aufgaben lösen, das heißt Schlüssel suchen, Kombinationsaufgaben meistern oder schlicht nach einem Ausgang suchen. Die Aufgaben sind allesamt eher leicht und sie werden selbst Anfänger nicht überfordern. Den Entwicklern ist es jedoch gelungen, die Rätsel perfekt der jeweiligen Situation anzupassen. Gut gefallen hat uns diesbezüglich auch die sehr intuitive Steuerung mit der Wiimote und dem Nunchuk. Selbst wenn Harry sich nur aus einem Auto befreien muss, fühlt sich dies sehr lebensecht an.
Ein weiteres Feature, das sich sehr gut in die Spielwelt einfügt, ist das Handy. Mit dem Mobiltelefon könnt ihr nicht nur eure Karte aufrufen, speichern oder Anrufe entgegennehmen, sondern auch Bilder machen. Achtet in den Levels stets auf durchsichtige Silhouetten, denn wenn ihr von diesen Erscheinungen ein Foto macht, ertönt eine unheimliche Musik und ihr bekommt eine Audio-SMS. Diese kurzen Mitteilungen informieren euch über schreckliche und tragische Geschichten, die nichts mit der eigentliche Story zu tun haben, sondern einzig dazu dienen, euch in Angst und Schrecken zu versetzen. Angst, Schrecken und Panik werdet ihr auch bei den gnadenlosen Hetzjagten verspüren.
Ohne Waffen
In unregelmäßigen Abständen werdet ihr von gesichtslosen Gestalten verfolgt, vor denen ihr nur weglaufen könnt. Im Gegensatz zum Helden aus Silent Hill: Homecoming ist Harry nämlich völlig wehrlos. Anstatt roher Gewalt kann er lediglich Schränke umstoßen oder sich für kurze Zeit verstecken. Wird er dennoch eingeholt, müsst ihr schnell die Wiimote und den Nunchuk schütteln, um dadurch die lästigen Verfolger abzuschütteln – wie passend!
Die Fluchtversuche muten anfangs aufgrund der völligen Hilflosigkeit des Protagonisten etwas ungewohnt an, aber auch diese Designentscheidung hat uns wieder sehr gut gefallen. Eine der größten Schwächen von Silent Hill: Homecoming war ja gerade der Kampf, denn man fühlte sich den schrecklichen Gestalten nicht mehr unterlegen, sondern ebenbürtig. Dieses Gefühl wird euch bei Silent Hill: Shattered Memories nie ereilen, da es das Spiel auf grandiose Weise immer wieder schafft, euch ein ständiges Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit zu vermitteln.
Einen Großteil trägt dazu der wunderbar depressive und jederzeit stimmige Soundtrack von Akira Yamaoka bei. Ein weiterer Pluspunkt des Spiels ist die Grafik. Silent Hill Shattered Memories zählt ohne Frage zu den schönsten Spielen für die Wii. Egal ob ihr durch dunkle Verließe wandert, oder euch auf offener Fläche befindet, die Grafik sieht richtig gut aus.